Jahresbericht 2025: Pflegedienst vor Insolvenz – 209 Menschen betroffen 

2.04.2026

(Nidda/Wetteraukreis/red) Mit ihrem Jahresbericht 2025 schlagen die Diakonie Dienstleistungen Wetterau gGmbH (DDLW) Alarm: Der gemeinnützige Träger steht vor der Insolvenz. Eine Entscheidung wird nach Angaben der Geschäftsführung bis Mitte April erwartet. Betroffen wären aktuell 209 pflegebedürftige Menschen, die zuhause betreut werden – darunter 99 in Nidda.
Der Bericht zeigt zugleich eine gegenläufige Entwicklung: Die Nachfrage nach Unterstützung steigt deutlich. Innerhalb eines Jahres ist die Zahl der betreuten Menschen um rund 50 Prozent gewachsen, zusätzlich warten derzeit 48 Personen auf Hilfe.
„Die Zahlen machen deutlich, wie groß der Bedarf ist“, sagt Geschäftsführer Gerhard Wolf. Viele der Betroffenen seien hochbetagt, lebten allein oder zu zweit und seien auf Unterstützung im Alltag angewiesen, um weiterhin zuhause leben zu können.
Ein zentrales Element der Arbeit ist das ehrenamtliche Engagement: Insgesamt 56 Mitarbeitende sind für die DDLW tätig, überwiegend Frauen, viele davon ehrenamtlich oder im Rahmen einer Aufwandsentschädigung. Sie begleiten Pflegebedürftige im Alltag, entlasten Angehörige und ermöglichen soziale Teilhabe.
„Ohne dieses Engagement wäre unsere Arbeit nicht denkbar“, betont Wolf. „Die Mitarbeitenden leisten seit Jahren verlässlich und mit großem persönlichen Einsatz einen wichtigen Beitrag für die Menschen vor Ort.“ Viele seien über lange Zeit feste Bezugspersonen für die Betreuten geworden.
Die drohende Insolvenz hätte daher nicht nur Folgen für die Pflegebedürftigen, sondern auch für die Beschäftigten. Für zahlreiche Mitarbeitende stünden ortsnahe Arbeitsmöglichkeiten auf dem Spiel, die vielfach eng mit persönlichen Lebenssituationen verbunden seien.
Die DDLW wurde Anfang der 2000er Jahre aus bürgerschaftlichem Engagement heraus gegründet, um eine Lücke in der ambulanten Versorgung zu schließen. Seit 2009 ist der Dienst offiziell anerkannt. Nach eigenen Angaben wurden seitdem mehr als 600 Menschen in Nidda betreut.
Als Hauptursache für die wirtschaftliche Schieflage nennt der Träger strukturelle Rahmenbedingungen: Seit 2021 seien die Vergütungssätze gedeckelt, während Kosten – etwa für Personal, Energie und Organisation – deutlich gestiegen seien.
Während der Wetteraukreis und die Pflegekassen ihre Unterstützung ausgeweitet hätten, sieht die DDLW auf kommunaler Ebene weiterhin Klärungsbedarf. Ein beid er Stadt Nidda beantragter Zuschuss für das Jahr 2026 sei bislang nicht bewilligt worden.
„Es geht hier nicht um abstrakte Zahlen, sondern um konkrete Lebenssituationen“, so Wolf. Der benötigte Betrag von 30.000 Euro hätte nach Darstellung des Trägers entscheidend zur Stabilisierung beigetragen.
Sollte es zur Insolvenz kommen, stellt sich die Frage, wie die Betreuung kurzfristig sichergestellt werden kann. Der Aufbau neuer Strukturen benötige Zeit und Personal, das vielerorts bereits knapp sei.
Der Jahresbericht macht damit auf ein grundlegendes Problem aufmerksam: Der Bedarf an ambulanter Unterstützung wächst – gleichzeitig geraten gemeinnützige Angebote zunehmend unter Druck.
„Unser besonderer Dank gilt unseren Mitarbeitenden, die diese Arbeit über viele Jahre getragen haben“, sagt Wolf. „Jetzt geht es darum, gemeinsam Lösungen zu finden, damit die Versorgung der Menschen gesichert bleibt.“
 


Noch ist Zeit zu handeln: Insolvenz der Diakonie Dienstleistungen Wetterau GmbH, Nidda, bedroht häusliche Betreuung für 209 pflegebedürftige Menschen 


 

19.01.2026

 

(Nidda/Wetteraukreis/ - Die Diakonie Dienstleistungen Wetterau gGmbH (DDLW) mit Sitz in Nidda hat am 15. Januar 2026 Insolvenzantrag gestellt. Damit steht ein Angebot auf der Kippe, das seit 16 Jahren für viele ältere und pflegebedürftige Menschen unverzichtbar ist: die häusliche Alltags- und Demenzbegleitung. Aktuell betreut der gemeinnützige Träger 209 pflegebedürftige Menschen im Wetteraukreis – 99 von ihnen leben in Nidda.

„Für diese Menschen bedeutet die Insolvenz vor allem eines: große Unsicherheit und Angst,“ sagt Gerhard Wolf, ehrenamtlicher Geschäftsführer der DDLW. „Viele unserer Klientinnen und Klienten sind hochbetagt, leben allein und haben keine Angehörigen, die kurzfristig einspringen könnten.“

Ein stiller, aber tragender Pfeiler der Versorgung

Die DDLW erbringt Leistungen der häuslichen Betreuung nach der hessischen Pflegeunterstützungsvordnung zum § 45 SGB XI – also Unterstützung im Alltag, Begleitung, Entlastung von Angehörigen und Hilfe für Menschen mit Demenz. Eine gesetzliche Pflichtleistung mit Kostenerstattungsanspruch.
 Diese Angebote ergänzen die medizinische Pflege durch Sozialstationen und Pflegedienste und sind ein zentraler Baustein der ambulanten Versorgung.

Die Zahlen verdeutlichen den Bedarf:

  • Über 60 Prozent der betreuten Menschen sind älter als 80 Jahre
  • Drei Viertel haben Pflegegrad 2 oder höher
  • 89 Prozent leben in Ein- oder Zwei-Personen-Haushalten


„Ambulant vor stationär ist nicht nur ein gesetzlicher Grundsatz“, betont Wolf, „sondern der ausdrückliche Wunsch der meisten Menschen: zuhause bleiben, im vertrauten Umfeld, mitten im Leben und betreut, wo es nötig ist..“

Preisdeckel und Kostensteigerungen – ein strukturelles Problem

Die Ursachen der Insolvenz liegen nicht in einer plötzlichen Fehlentwicklung, sondern in einer seit Jahren bestehenden strukturellen Unterfinanzierung. Der Stundensatz für Betreuungsleistungen nach § 45 SGB XI ist in Hessen seit Oktober 2021 gesetzlich gedeckelt – mit Laufzeit bis Ende 2026.

 

In dieser Zeit sind jedoch:

  • Löhne und Aufwandsentschädigungen deutlich gestiegen
  • Tariftreuegesetze eingeführt worden
  • Energie- und Sachkosten massiv angewachsen. Die Inflationsrate stieg an.


„Über einen Zeitraum von fünf Jahren keinerlei Anpassung zu ermöglichen, ist im Pflegebereich realitätsfern“, sagt Wolf. „Kostensteigerungen von 27 bis über 30 Prozent bleiben unfinanziert.“

Bundesweit mussten allein 2025 431 ambulante Dienste (Sozialstationen und private Pflegedienste)  Insolvenz anmelden – viele davon ohne öffentliche Aufmerksamkeit.

Kommunale Verantwortung: Kreis beteiligt sich weiter – Nidda fehlt

Während die Finanzierung auf kommunaler Ebene in Nidda ins Stocken geraten ist, bekennt sich der Wetteraukreis weiterhin zur Mitverantwortung. Bis 2023 leistete der Kreis einen kommunalen Zuschuss zur Arbeit der DDLW, der in den Jahren 2024 und 2025 dankenswerterweise vervierfacht wurde. Nach Angaben der Geschäftsführung ist auch für 2026 eine Beteiligung des Kreises vorgesehen.

„Das zeigt, dass die häusliche Betreuung pflegebedürftiger Menschen als Teil der sozialen Daseinsvorsorge verstanden wird“, sagt Wolf. „Umso schmerzlicher ist es, wenn ausgerechnet dort, wo fast die Hälfte unserer Klientinnen und Klienten lebt, die Unterstützung wegbricht.“

In den Jahren 2024 und 2025 hatte auch die Stadt Nidda auf Antrag der SPD-Fraktion jeweils 30.000 Euro bereitgestellt. Diese Zuschüsse wurden auf Grundlage der hessischen Rahmenvereinbarung zum § 45 von den Pflegekassen verdoppelt und ermöglichten eine stabile Arbeit trotz Preisdeckel. Mit der Ablehnung eines erneuten Zuschusses für 2026 durch CDU und Bürgerliste entstand jedoch eine Deckungslücke von rund 60.000 Euro, die nicht durch Spenden oder Rücklagen geschlossen werden kann.

„Von 2008 bis 2023 haben wir ohne einen städtischen Zuschuss gearbeitet“, erklärt Wolf. „Bürgerspenden und sogar Teile des Stammkapitals wurden 2023 eingesetzt, als die Stadt erstmals ablehnte, um die Betreuung pflegebedürftiger Menschen weiter sicherzustellen. Doch diese Möglichkeiten sind nun erschöpft.“

Gerade für einen gemeinnützigen Träger seien diese Reserven begrenzt. „Unsere Arbeit dient nicht der Gewinnerzielung. Rücklagen dürfen nur eingeschränkt gebildet werden, Spenden sind zweckgebunden – sie ersetzen aber keine strukturelle Finanzierung“, so Wolf.

 

Kritik an öffentlicher Darstellung

Belastend für den Träger seien zudem öffentliche Aussagen im Vorfeld der politischen Entscheidung gewesen. In der Presse-Berichterstattung von CDU und Bürgerliste wurde unter anderem fälschlich formuliert,  die DDLW betreue überwiegend Menschen mit Pflegegrad 1 oder arbeite wirtschaftlich unsauber.

„Beides ist nachweislich falsch“, stellt Wolf klar. „Solche Darstellungen schaden dem Ruf eines gemeinnützigen Trägers und erschweren zusätzlich die Einwerbung von Spenden, mit denen wir über viele Jahre unsere Arbeit erfolgreich mitfinanziert haben.“

Die Daten lagen vor, die gesetzlichen Grundlagen sind durch einen Klick im Internet abrufbar. Die Grundlagen der Gemeinnützigen Arbeit kennt jeder, der in einem Verein arbeitet. Im Gegensatz zu früher wurde der Geschäftsführer nicht zur entscheidenen Ausschuss-Sitzung geladen.

Insolvenz heißt nicht Ende – sondern Entscheidungsspielräume
Mit dem Insolvenzantrag gibt die DDLW den Sicherstellungsauftrag formal an die Träger der sozialen Daseinsvorsorge zurück. Zugleich betont die Geschäftsführung, dass dieser Schritt nicht als endgültiger Schlusspunkt zu verstehen sei.

„Insolvenz bedeutet nicht automatisch Einstellung“, sagt Wolf. „Sie eröffnet auch die Möglichkeit, gemeinsam tragfähige Lösungen zu finden – im Interesse der pflegebedürftigen Menschen.“

Für die 209 Betroffenen – darunter 99 Bürgerinnen und Bürger aus Nidda – ist die Situation derzeit offen. Viele leben in Sorge, wie es weitergeht. Auch die derzeit 48 gemeindenah ein-gesetzten Mitarbeitenden sind betroffen. Viele seit Jahren gemeindenah wohnende Bezugspersonen.

„Es wäre bitter, wenn ein Angebot, das seit Jahren funktioniert, in dem überwiegend Ehrenamtliche tätig sind, deren Geschäftsführung ehrenamtlich ohne Aufwandsent-schädigung geleistet wird und vergleichsweise geringe öffentliche Mittel benötigt, an einer überschaubaren Finanzierungslücke scheitert“, so Wolf. „Es ist nicht mehr viel Zeit, das Schlimmste abzuwenden.“

„You Are His Angel“ – Ein Lied über Pflege, Würde und Verantwortung


Die aktuelle Debatte um die Zukunft häuslicher Pflegeangebote in der Region macht deutlich, wie fragil gewachsene Unterstützungsstrukturen sein können. Hinter politischen Entscheidungen, Finanzierungsfragen und Zuständigkeiten stehen konkrete Lebenssituationen: hochbetagte Menschen, Pflegebedürftige – und jene, die sie im Alltag begleiten.

Oft sind es Angehörige, die diese Verantwortung tragen.
 Still. Verlässlich. Über Jahre hinweg.

Vor diesem Hintergrund erhält ein Song, der bereits 2023 entstanden ist, neue Aktualität.

„You Are His Angel“ von Gert Holle erzählt von der Pflege eines nahestehenden Menschen – von Demenz, vom schleichenden Verlust von Erinnerungen, aber auch von Nähe, Treue und gelebter Nächstenliebe. Der Titel greift das Bild des „Engels“ auf – nicht als religiöse Überhöhung, sondern als Ausdruck für Menschen, die im Alltag Verantwortung übernehmen, ohne im Mittelpunkt zu stehen.

Der Song ist persönlich motiviert und zugleich exemplarisch: Er steht stellvertretend für viele Geschichten, die selten öffentlich erzählt werden. Für Töchter und Söhne, Partnerinnen und Partner, für Ehrenamtliche und Pflegekräfte.

Gerade in einer Zeit, in der über Strukturen der Versorgung neu entschieden wird, erinnert das Lied daran, worum es im Kern geht:
 um Würde, Verlässlichkeit und die Möglichkeit, auch im Alter oder bei Krankheit im vertrauten Umfeld leben zu können.

Die diakonische Perspektive bringt dabei einen weiteren Aspekt ins Spiel: Pflege ist nicht nur eine organisatorische oder finanzielle Aufgabe. Sie ist Ausdruck gelebter Mitmenschlichkeit – und damit auch eine Frage gesellschaftlicher und ethischer Verantwortung.

Mit einer neuen musikalischen Fassung – ergänzt durch Blockflötenbegleitung von Peter Chorkov – wird „You Are His Angel“ nun erneut veröffentlicht.

Der Song ist eine leise, aber eindringliche Würdigung all jener, die für andere da sind.
 Und zugleich ein Impuls, das Thema Pflege nicht nur als Problem, sondern als gemeinsame Aufgabe zu begreifen.

🎧 „You Are His Angel“ – jetzt anhören

 

Kommentar: Wenn Fürsorge zur Rechenaufgabe wird

Von Gert Holle

Die Insolvenz der Diakonie Dienstleistungen Wetterau ist mehr als eine betriebswirtschaftliche Meldung. Sie ist ein Warnsignal. Denn betroffen sind nicht abstrakte Strukturen, sondern über 200 pflegebedürftige Menschen – viele hochbetagt, viele alleinlebend, viele ohne familiäres Netz.

Dass ein gemeinnütziger Träger, der über Jahre hinweg ohne städtische Zuschüsse gearbeitet hat und dessen Angebot zuletzt sogar wuchs, nun in die Insolvenz rutscht, wirft Fragen auf. Nicht zuletzt an die Stadt Nidda, in der fast die Hälfte der betreuten Menschen lebt – und die ihre Unterstützung für 2026 eingestellt hat.

Natürlich darf und muss Kommunalpolitik über Haushaltsdisziplin sprechen. Aber ebenso gehört zur kommunalen Verantwortung, genau hinzusehen, wo Einsparungen unmittelbare soziale Folgen haben. Häusliche Betreuung ist kein Luxus. Sie entscheidet darüber, ob ältere Menschen weiter zuhause leben können – oder ob sie früher als nötig in stationäre Einrichtungen wechseln müssen.

Verwunderlich ist daher, wie schnell in der politischen Debatte der Eindruck entstand, es handele sich um ein verzichtbares Zusatzangebot. Die Zahlen sprechen eine andere Sprache. Und sie betreffen Menschen, die ihre Pflegeversicherung ein Leben lang bezahlt haben.

Noch ist nichts endgültig entschieden. Insolvenz bedeutet auch: Zeit zum Nachdenken. Diese Zeit sollte genutzt werden – im Interesse derjenigen, die keine Lobby haben, außer der, die man ihnen jetzt lässt.

Gert Holle ist Herausgeber und leitender Redakteur des Internetportals "WIR IM NETZ - Kultur und Glaube Aktuell"


Pflege braucht mutige und verbindliche Reformen

Situationsanalyse der Diakonie Hessen bestätigt dringenden Reformbedarf / Zukunftspakt Pflege greift noch nicht weit genug

 

18.12.2025

 

(Frankfurt/dwh) - Die Diakonie Hessen hat zum dritten Mal ihre Pflegeeinrichtungen zur aktuellen wirtschaftlichen Lage befragt. Die Situationsanalyse, basierend auf einer Umfrage unter 110 von insgesamt rund 500 ambulanten, teilstationären und stationären Einrichtungen, zeigt erneut: Die Lage in der Pflege ist kritisch.

„Angebot und Nachfrage passen nicht zusammen“, erklärt Carsten Tag, Vorstandsvorsitzender der Diakonie Hessen. „Pflegebedürftige Menschen müssen genau abwägen, welche Leistungen ihnen zustehen, welche sie sich leisten können und welche tatsächlich angeboten werden. Trotz hoher Nachfrage stehen unsere Einrichtungen vor der Herausforderung, kostendeckend zu arbeiten.“ Diese Situation beeinträchtigt die Gesundheit und Teilhabe pflegebedürftiger Menschen. Carsten Tag fordert: „Damit auch künftig professionelle Unterstützung gewährleistet ist, müssen die geplanten Reformen im Zukunftspakt Pflege umfassend und schnell umgesetzt werden.“

 

Stationäre Pflege: Hohe Nachfrage, ungenutztes Potenzial

„Die stationären Einrichtungen kämpfen mit hohen Kosten und einer starken Fluktuation“, berichtet Sonja Driebold, Leiterin des Ressorts Gesundheit, Alter, Pflege. „Mit einer durchschnittlichen Auslastung von 93 Prozent bleibt Potenzial ungenutzt – einzelne Zimmer stehen leer, obwohl der Bedarf groß ist.“ Gründe sind Personalmangel und die immer kürzere Verweildauer. „Viele kommen erst in die Einrichtung, wenn es nicht mehr anders geht. Dann ist der Gesundheitszustand oft so schlecht, dass die Verweildauer nur noch kurz ist“, so Driebold.

 

Ambulante Pflege: Nachfrage trifft auf fehlende Kapazitäten

Auch die ambulante Pflege ist stark belastet: 63 Prozent der Anfragen konnten nicht bedient werden – vor allem wegen fehlender personeller Ressourcen. „Wenn Menschen zu spät Hilfe erhalten, verschlechtert sich ihr Gesundheitszustand weiter. Teilhabe wird schwieriger, ein Verbleib im eigenen Zuhause kaum möglich“, erklärt Driebold. Gleichzeitig zeigt sich eine paradoxe Entwicklung: Immer mehr Menschen nehmen weniger Hilfe in Anspruch, als sie benötigen – schlicht, weil die Leistungen zu teuer sind.

 

Pflegeberuf bleibt attraktiv: Ausbildung wird ausgebaut

Es gibt auch positive Nachrichten: 85 Prozent der Einrichtungen bilden aus, darunter 80 Prozent der ambulanten Dienste. „Das zeigt, wie engagiert unsere Einrichtungen dem Personalmangel begegnen und das Berufsbild stärken wollen“, betont Driebold. Trotz eines Anstiegs der Ausbildungszahlen um 10 Prozent gegenüber 2024 blieben rund 45 Prozent der Plätze unbesetzt – wegen fehlender Bewerbungen oder mangelnder Eignung. „Wir sehen das als Ansporn, weiter in gute Ausbildungsstrukturen zu investieren.“

 

Zukunftspakt Pflege: Gute Ansätze, aber nicht ausreichend

„Die Ergebnisse unserer Umfrage spiegeln die Lage der gesamten Branche wider: Eine grundlegende Reform ist unumgänglich“, sagt Carsten Tag. Die Diakonie Hessen begrüßt die Ansätze des vor kurzem vorgestellten Zukunftspakts Pflege – etwa die Stärkung der häuslichen Pflege, die geplante Bündelung ambulanter Leistungen in flexiblen Budgets, die Förderung von Digitalisierung und Innovation oder die vorgeschlagenen Finanzierungsinstrumente. „Doch wie unsere Umfrage zeigt: Für Einrichtungen und Pflegebedürftige gehen sie noch nicht weit genug.“

 

„Die Politik muss die Ideen mutig umsetzen – ohne Kürzungen“, fordert Carsten Tag. „Es braucht verbindliche Strukturen und Ressourcen in den Kommunen und Landkreisen. Die Pflegeversicherung muss solidarisch und verlässlich finanziert werden. Das aktuelle Abrechnungssystem ist zu komplex. Viele Betroffene kommen nicht mehr mit. Wir müssen uns entscheiden, wie wir künftig zusammenleben wollen.“ Carsten Tag appelliert: „Vereinfachen Sie das Abrechnungssystem, fördern Sie die Durchlässigkeit zwischen den Sektoren und bauen Sie Bürokratie ab. Lassen Sie uns das tun, was wir können: nah am Menschen sein und pflegen. Vertrauen Sie uns und binden Sie uns als Experten aktiv in Reformprozesse ein. Damit wir gemeinsam tragfähige Lösungen entwickeln.“

 

Forderungen der Diakonie Hessen

  • Grundlegende Struktur- und Finanzreform der Pflegeversicherung
  • Flexible, bedarfsgerechte und selbstbestimmte Versorgungsarrangements – orientiert an den Bedürfnissen der Menschen, nicht an starren Grenzen
  • Mehr Vertrauen in pflegerische Kompetenz, weniger Bürokratie
  • Klare Befugnisse und finanzielle sowie fachliche Unterstützung für Regionen, um gleichwertige Lebensverhältnisse zu sichern

 

Zur Situationsanalyse

  • Befragt wurden rund 500 Einrichtungen der Altenhilfe der Diakonie Hessen, 110 nahmen teil
  • Umfragezeitraum: April 2025 (Bezugszeitraum: Nov. 2024 – Apr. 2025)
  • 42 Prozent ambulante Pflege, 58 Prozent stationäre Pflege
  • Ergebnisse:
    • Wirtschaftliche Lage bleibt angespannt: Ein Viertel erwartet schlechtere Betriebsergebnisse
    • 63 Prozent der ambulanten Dienste mussten Anfragen ablehnen
    • Stationäre Einrichtungen erreichen im Schnitt 93 Prozent Auslastung, nötig wären 98 Prozent

 

Über die Pflege in der Diakonie Hessen
Die Diakonie Hessen unterstützt kranke und pflegebedürftige Menschen durch rund 500 Mitgliedseinrichtungen – darunter Krankenhäuser, stationäre Pflegeeinrichtungen, ambulante Dienste und Hospizangebote.

 

Mehr Informationen


Quelle:  Wir bieten Betreuung daheim an - WIR IM NETZ - Kultur und Glaube Aktuell -Nachrichten, Impulse, Andachten, Aus aller Welt, Unterhaltung 

 


Wenn Pflege auf der Kippe steht – warum Nidda jetzt Verantwortung übernehmen muss

Diakonie Dienstleistungen Wetterau weist Angriffe der CDU und Bürgerliste zurück – Preisdeckel des Landes bringt Versorgung älterer Menschen in Gefahr

9.12.2025

 

(NIDDA/gho)  – Es geht um viel mehr als einen Zuschussantrag: In Nidda entscheidet das Stadtparlament dieser Tage darüber, ob die wohnortnahe Versorgung älterer und pflegebedürftiger Menschen auch 2026 gesichert bleibt. Die Diakonie Dienstleistungen Wetterau gGmbH (DDLW), eine gemeinnützige Einrichtung mit überwiegend ehrenamtlichen Mitarbeitenden, warnt: Ohne Unterstützung der Stadt geraten Dutzende hochbetagte Menschen in eine Betreuungslücke – mit absehbar menschlich wie finanziell teuren Folgen.

Während die SPD einen Zuschuss von 30.000 Euro fordert, lehnen CDU und Bürgerliste dies ab – und äußerten dabei öffentlich Kritik an der Arbeit des Trägers. Die Diakonie reagiert nun mit einer ausführlichen Richtigstellung. Der Tenor: Die politischen Angriffe beruhen auf falschen Annahmen, verkennen die Lage pflegebedürftiger Menschen – und verschweigen die eigentliche Ursache der Finanzkrise.


Preisdeckel des Landes verursacht Finanzloch – Kommunen bleiben auf Verantwortung sitzen

Seit Oktober 2021 gilt in Hessen ein staatlich festgelegter Preisdeckel für die Abrechnung häuslicher Betreuungsleistungen nach § 45 SGB XI. Für die DDLW bedeutet das: Sie darf seit vier Jahren keine kostendeckenden Preise mehr verhandeln – obwohl sich Personalkosten, Mindestlohn, Energie, Ausbildung und tarifliche Verpflichtungen durch das Tariftreuegesetz erheblich verteuert haben.

Die Folge ist eine strukturelle Finanzierungslücke, von der alle nach § 45 anerkannten Betreuungsangebote betroffen sind.

Die Diakonie betont:
Das Land zwingt uns in eine Unterfinanzierung – die Kommunen lassen uns damit nicht allein.

 

CDU-Behauptung widerlegt: 75 % der Diakonie-Klienten haben höhere Pflegegrade als Pflegegrad 1

Im politischen Streit wurde von der CDU behauptet, die DDLW betreue „überwiegend Menschen mit Pflegegrad 1“, die nur gelegentliche Unterstützung bräuchten.


Die Zahlen sprechen eine völlig andere Sprache:

  • 94 Klienten aus Nidda (Stichtag 1.12.)
  • 75 % davon mit Pflegegrad 2 oder höher
  • Zwei Drittel sind über 80 Jahre alt
  • 89 % leben allein oder zu zweit – Angehörige stehen kaum zur Verfügung


Für viele dieser Menschen sind Hilfe im Haushalt, Begleitung beim Einkaufen, Zubereitung von Mahlzeiten oder Unterstützung bei Orientierung und Demenz keine Kleinigkeiten, sondern Voraussetzung dafür, überhaupt weiter zuhause leben zu können.

Die Diakonie warnt:
Diese Lebensrealitäten kleinzureden ist ein Schlag ins Gesicht der Betroffenen.


Häusliche Betreuung nach § 45 ist nicht mit ambulanten Pflegediensten vergleichbar

Ein weiterer Vorwurf aus CDU und Bürgerliste: Andere ambulante Dienste böten dieselben Leistungen an – also sei eine Förderung der Diakonie „ungleichbehandelnd“.


Die Diakonie stellt klar:

  • Angebote nach § 45 SGB XI unterliegen eigenen gesetzlichen Vorgaben, z. B. dem Einsatz überwiegend ehrenamtlicher Kräfte, speziellen Qualifikationen und niedrigschwelliger, sozialraumorientierter Ausrichtung.
  • Ambulanter Pflegedienst nach SGB V/XI ist etwas völlig anderes: medizinische Leistungen, Behandlungspflege, Pflegedokumentation – und deutlich teurer.
  • Gewerbliche Anbieter dürfen bestimmte Leistungen der Pflegeunterstützungsverordnung gar nicht erbringen, etwa Demenzgruppen.


Das Fazit des Trägers:
Der Vergleich ist fachlich falsch – und führt die Öffentlichkeit in die Irre.


Angriff auf transparente Finanzen: Diakonie weist Manipulationsvorwurf entschieden zurück

Besonders scharf reagiert die DDLW auf Aussagen, man habe negative Jahresergebnisse „beschönigt“.


Die Ehrenamtlichen machen klar:

  • Die Gewinn- und Verlustrechnung wurde ordnungsgemäß von einem Steuerbüro erstellt.
  • Alle Spenden, Zuschüsse und zweckgebundenen Erträge sind prüffähig dokumentiert.
  • Die Prüfbehörde des Kreises kontrolliert die gesetzeskonforme Mittelverwendung.
  • 2023 eingesetztes Stammkapital diente – wie gesetzlich vorgesehen – der Absicherung sozialer Risiken.


Die Verantwortlichen behalten sich rechtliche Schritte vor, weil solche Behauptungen nicht nur falsch seien, sondern den Ruf der Einrichtung beschädigten.


Moralische Frage: Wer trägt Verantwortung für ältere Menschen in Nidda?

Die Diakonie wirft CDU und Bürgerliste vor, das Problem in die Zukunft zu verschieben: Man wolle „später Gespräche führen“, falls Betreuung gefährdet sei.

Doch die Einrichtung widerspricht:

  • Die Gefährdung besteht jetzt.
  • Die Menschen sind da, ihre Hilfsbedarfe sind real, und ihre Lage ist nicht verhandelbar.
  • Jede Verzögerung bedeutet Unsicherheit – für Klienten wie für die ehrenamtlichen Teams.


Und: Eine Betreuungslücke führt nachweislich zu mehr Heimeinweisungen, die für die Betroffenen belastender und für die Gesellschaft erheblich teurer sind.

Die Ehrenamtlichen appellieren an die Stadtverordneten:

Häusliche Betreuung ist Teil der kommunalen Daseinsvorsorge. Wir richten uns nach christlich-diakonischen Grundwerten und arbeiten nicht gewinnorientiert. Aber wir brauchen die Unterstützung unserer Stadt, damit ältere Menschen in Nidda sicher und in Würde zuhause leben können.


Was nun auf dem Spiel steht

Mit ihrem Zuschuss von 30.000 Euro würde Nidda:

  • die Betreuung von über 90 älteren Menschen sichern,
  • die Arbeit dutzender ehrenamtlicher Betreuungskräfte stabilisieren,
  • teure stationäre Unterbringungen vermeiden,
  • Verantwortung gegenüber der eigenen alternden Bevölkerung übernehmen.

 

Ohne Zuschuss droht dagegen: 

  • ein Abbau von Angeboten,
  • eine Verschärfung der Pflegekrise vor Ort,
  • Unsicherheit für Menschen, die keine Angehörigen haben,
  • ein Schaden für das zivilgesellschaftliche Engagement.

Diakonie Dienstleistungen Wetterau bietet Grundkurs für Betreuung Daheim

Pflegende Angehörige mit Fachwissen unterstützen 

Mitarbeiterinnen für Grundkurs Betreuung daheim

18.07.2025

„Es war hilfreich für die häusliche Betreuung meiner Mutter, dass ich an acht Abenden den Grundkurs der Diakonie Dienstleistungen Wetterau gGmbH (DDLW) in Nidda besuchen konnte. Jetzt weiß ich mehr über Erscheinungsformen der Demenz. Ich kann meine Mutter besser verstehen. Ich weiß, welche Hilfsmöglichkeiten es gibt, wie wichtig der Kontakt zur Sozialstation, zu Ärzten, zur Gemeinde ist“, berichtet die 60jährige Judith Wolf, die seit drei Jahren ihrer Mutter zuhause beisteht.

Knapp 90 Prozent der pflegebedürftigen Menschen leben heute im eigenen Zuhause. Deshalb bietet das DDLW für pflegende Angehörige und auch Menschen, die beruflich neu in die Alltags- und Demenzbegleitung einsteigen wollen regelmäßig Basiswissen für die Alltags- und Demenzbegleitung an. Für Menschen, die beruflich in die Alltags- und Demenzbegleitung einsteigen wollen, ist der Kurs eine notwenige Voraussetzung.

Der diesjährige Grundkurs findet nach den hessischen Ferien im Zeitraum vom 2. September bis 2. Oktober 2025 im Karl-Dietz-Haus in Nidda, Auf dem Graben 36, statt. Die Kurszeit jeweils dienstags und donnerstags von 16:15 bis 19:30 Uhr soll es auch berufstätigen Angehörigen ermöglich, daran teilzunehmen.

Viele Pflegekassen übernehmen die Kosten für Schulungen von Alltags- und Demenzbegleiterinnen, insbesondere wenn die Schulung von einem anerkannten Anbieter durchgeführt wird und der Teilnehmer als Angehöriger oder zukünftiger ehrenamtlicher Betreuer tätig werden möchte.

Die Kursgebühr beträgt 120 Euro und wird bei einer Anstellung in unserem Unternehmen zurückerstattet, ansonsten sind diese selbst zu tragen.

Schwerpunkte des Kurses und Referentin:

-          Krankheitsbild Demenz: Veronika Rogge, examinierte langjährige Fachkraft

-          Allgemeine Erkrankungen im Alter: Sandra Weitz, Einsatzleitung/Pflegedienstleiterin

-          Ernährung im Alter: Edeltraud Klünder, stv. Einsatzleiterin Büdingen

-          Arbeiten mit Demenzkranken: Angelika Berg, stv. Einsatzleiterin Friedberg/ Butzbach

-          Psychische Erkrankungen: Manuela Kussler, Alltags- und Demenzbegleiterin

-          Vorsorgevollmacht und Betreuungsrecht: Klaudia Mertinat, Sozialarbeiterin


Anfragen und Anmeldung werden erbeten an die Einsatzleitung/Pflegedienstleitung des DDLW, Frau Sandra Weitz unter der Telefonnummer 06043-5199471, oder die Verwaltung (Fr. Hämmerle/Fr. Kussler) 06043-5199473. Ebenso ist eine Anmeldung über die E-Mailadresse [email protected] möglich.

 

Nidda bietet künftig dienstägliche Auszeit für Menschen mit Demenz – und ihre Angehörigen 

Herzenszeit im Karl-Dietz-Haus: Neue Memory-Gruppe der Diakonie startet im Oktober 

18.07.2025

(Nidda/ddlw) - Einmal wöchentlich wird das Karl-Dietz-Haus in Nidda zu einem ganz besonderen Ort: Ab Oktober heißt es dort jeden Dienstagnachmittag „Herzenszeit“. Die Diakonie Dienstleistungen Wetterau gGmbH (DDLW) startet gemeinsam mit der Stadt Nidda eine neue Memory-Gruppe für Menschen mit beginnender oder mittelschwerer Demenz.

„Wir freuen uns, dieses bewährte Angebot zur Entlastung von Angehörigen wieder anbieten zu können“, sagt Sandra Weitz, Einsatzleiterin der DDLW. Von 14:30 bis 17:30 Uhr werden die Teilnehmenden in kleiner Runde liebevoll betreut. Gedächtnistraining, Bewegung, gemeinsames Singen und kreative Impulse schaffen Struktur und Freude im Alltag.

Für die pädagogische Leitung und die Schulung des ehrenamtlichen Teams ist Veronika Rogge verantwortlich. 

Gemeinsam erinnern, gemeinsam entlasten

„Manche Erinnerungen verblassen, aber das Gefühl von Geborgenheit bleibt“, so beschreibt es das Motto der Memory-Gruppe treffend. Und genau darum geht es: Menschen mit Demenz sollen sich wohlfühlen, angenommen werden – und ihre Angehörigen sollen wieder tief durchatmen können.

Für die pädagogische Leitung und die Schulung des ehrenamtlichen Teams ist Veronika Rogge verantwortlich. Die erfahrene Krankenschwester war im In- und Ausland sowohl stationär als auch ambulant tätig und bringt umfangreiche Expertise in der Begleitung von Menschen mit Demenz mit. Auch die Schulung und fachliche Begleitung der ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern liegt in ihrer Hand.

Ehrenamt mit Herz

Für die Memory-Gruppe werden noch helfende Hände gesucht. Wer Empathie, Geduld und Freude am Miteinander mit älteren Menschen mitbringt, ist herzlich eingeladen, Teil des Teams zu werden. Erste Unterstützerinnen sind bereits gefunden: Sandra Alt, Veronika Schelenz und Angelika Berg bringen sich künftig engagiert ein.

Was Ehrenamtliche erwartet:

  • Eine Einführung und kontinuierliche Begleitung
  • Eine kleine Aufwandsentschädigung (20 Euro pro Nachmittag)
  • Eine erfüllende Aufgabe im Team – an einem Nachmittag pro Woche


Ein Angebot mit Herz und Struktur

Die Teilnahme an der Memory-Gruppe kostet 30 Euro pro Nachmittag, die Abrechnung mit der Pflegekasse ist möglich. Für das leibliche Wohl wird mit einem kleinen Beitrag von 2,50 Euro gesorgt. Die Stadt Nidda stellt den Bürgerbus für den kostenlosen Fahrdienst zur Verfügung – hin und zurück.


Sie möchten teilnehmen – oder helfen?

Interessierte Angehörige und zukünftige Helferinnen und Helfer können sich jederzeit bei Sandra Weitz informieren und anmelden:
📞 06043 / 5199-473
 📧 [email protected]
🌐 Weitere Informationen: www.betreuung-daheim-diakonie-wetterau.website


Dienstag wird Herzenszeit – machen Sie mit.
Für Betroffene, für Angehörige, für ein starkes Miteinander in Nidda.

 

Sandra Weitz ist neue Einsatzleiterin der Diakonie Dienstleistungen Wetterau (DDLW)

2024 hat die gemeinnützigen GmbH 136 Menschen Daheim betreut

„Seit 01.01.2025 ist die examinierte Krankenschwester Sandra Weitz bei uns. Sie ist Dienst- und Fachvorgesetzte der zurzeit 41 Alltags- und Demenzbegleiterinnen. Die gebürtige Vogelsbergerin kennt die ihr anvertraute Region auch aus 20-jähriger Tätigkeit in der Neurologischen Klinik in Bad Salzhausen. Als frühere Pflegedienstleiterin in einem Ambulanten Dienst in der Region sind ihr die Nöte und Sorgen zu Hause lebender, pflegebedürftiger Menschen vertraut“ betonte Gerhard Wolf, ehrenamtlicher Geschäftsführer der DDLW, gegenüber der Presse. 


Im Jahresbericht erläuterte Gerhard Wolf für 2024 die schwierige Finanzierungs-Situation: 
 „Durch die seit Oktober 2021 bestehende Preisdeckelung des Landes Hessen mussten wir erhebliche Umsatzeinbußen hinnehmen. Wie schon vor der Stadtverordnetensitzung in Nidda in der Presse veröffentlicht, konnte erfreulicherweise 2024 durch Zuschüsse der Stadt Nidda, der Stadt Büdingen und des Wetteraukreises die Deckungslücke vermindert werden. Denn die hessischen Förderrichtlinien sehen kommunale Zuschüsse für die Alltags- und Demenzbegleitung vor. Der Gesetzgeber honoriert zusätzlich diese Beteiligung, indem die Pflegekasse die nach § 45 SGB XI (Pflegeversicherungsgesetz) kommunalen Zuschüsse verdoppelt. Dies kommt den hochbetagten Menschen durch verlässliche Betreuung Daheim zugute. Wir hoffen, dass 2026 das zuständige CDU geführte hessische Sozialministerium die Preisdeckelung aufhebt.“
 
Durch Spenden und freiwillige Zuschüsse und organisatorische Maßnahmen konnte das DDLW die Deckungslücke schließen und ein positives Ergebnis erzielen. 
 Auch 2025 rechnen wir aufgrund der zugesagten Zuschüsse mit einer Verbesserung, hoffen auf Spenden. 

2024 lebten, wie im Vorjahr, die Hälfte der pflegebedürftigen Menschen in Nidda. Die Betreuung in Nidda, einer der größten hessischen Flächengemeinden, erfordert Fahrtaufwand und Fahrtzeiten, die als Kostenfaktoren in die Kalkulation eingehen und die organisatorische Leitung vor besondere Herausforderungen stellen.

 Die Arbeit ist regional organisiert: Das Team Nidda wird von Sandra Weitz geleitet. Edeltraud Klünder, frühere Leiterin und nach ihrem Ruhestand jetzt stellvertretende Einsatzleiterin, ist für das Team Büdingen zuständig. Den Bereich Karben/Friedberg/Butzbach verantwortet die stellvertretende Einsatzleiterin Angelika Berg. 

2025 wird das DDLW gemeinsam mit der Gemeindepflegerin Sandra Frank und der Sozialstation Nidda wieder eine sogenannte Demenzgruppe anbieten können. Mit diesem Angebot neben der häuslichen Einzelbetreuung werden demenzkranke Menschen zur zeitweisen Angehörigenentlastung in der Gruppe betreut. 

Ausgewählte Ergebnisse der Kundenstatistik 2024: 
 Das Alter ist weiblich: 3 % sind Frauen, 27 % sind Männer. Zwei Drittel sind 71 Jahre und älter (Nidda 70 %)  benötigen die häuslichen Hilfen. Wir müssen unsere Sorgen und praktischen Hilfen auf diese hochbetagten Menschen ausrichten. 57 % leben allein, 32 % in Zweipersonen-Haushalten. Es ist vorstellbar, wie schnell eine Notlage sich verstärkt und kippt, wenn nur ein Partner/die Partnerin ausfällt oder selbst pflegebedürftig wird. 
 Unsere Beschäftigten in der Betreuung sind ausschließlich Frauen. 

 Es bestätigt sich die bundesweite Erfahrung: Es sind Frauen, welche die Hauptlasten in der Betreuung tragen. Ihre Vergütung darf sie nicht später zu Niedrig-Rentnerinnen machen. Deshalb vergüten wir unsere Angestellten nach Tarif, die Ehrenamtspauschale orientiert sich am Mindestlohn.

 Die dauerhafte Sicherstellung der Betreuung der pflegebedürftigen Menschen ist Anerkennungsvoraussetzung für die Träger nach der hessischen Pflege- und Unterstützungsverordnung. Dazu benötigt die DDLW gGmbH natürlich die Finanzierungssicherheit der Zuschussgeber. 

Die Warteliste Ende 2024 zeigt mit über 67 pflegebedürftigen betreuten Menschen den dringenden Bedarf.